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  Garčal-kôr - Zwischen den Meeren  
 

Die Völker Garčal-kôrs


Allgemeines
Die Bevölkerung Garčal-kôrs besteht aus den zwei Bevölkerungsruppen der Kôrn-mârchal und der Kôrn-čén. Erstere bilden etwa ein Drittel der Einwohner und sind Menschen, die anderen dagegen sind Vertreter der Čén, einer Art schneller Vierbeiner. Trotzdem haben sich im Laufe der Zeiten im friedlichem Zusammenleben einige Gemeinsamkeiten ausbilden können.
Die meisten Kôrn (so die übergeordnete Bezeichnung für einen jeden Bewohner Garčal-kôrs) sind Bauern oder Fischer, die wohl von der Welt neben ihrer eigenen Siedlung kaum mehr als die Dörfer in der näheren Umgebung kennen.

Eile und Weile
Die Kôrn sind stets bestrebt, etwas so schnell wie möglich zu erledigen. Besonders die unangenehmen, anstrengenden oder gefährlichen Handlungen sollten nach Möglichkeit rasch zu Ende geführt werden. Dies wirkt befremdlich auf all jene, die gern einmal ein Schwätzchen halten. Besonders Ausländern gegenüber werden fast nur knappe, aber auf den Punkt gebrachte Antworten gegeben.
Dem Weltbild der Kôrn zufolge könnte schon am nächsten Tag das Leben vorbei sein. Da muss die kostbare Zeit für die wesentlichen Dinge aufgespart werden - Familie, Liebe, eines der beliebten Brettspiele - wenn alles erledigt ist, was unbedingt getan werden muss, oder man auf etwas wartet.

Was wäre wenn...?
Taktische Überlegungen lieben sie. Von so manchem, der hinauszog in die Welt, heißt es, er habe eine ganze Weile an einer Weggabelung gestanden, den Himmel über sich beobachtet, mühsam abgewägt und erst nach dieser Pause einen der Wege eingeschlagen - Entscheidungsschwäche in Reinform. Die Frage "was wäre wenn" scheint im Südwesten Espers erfunden worden zu sein.

Kurz und knapp, ruhig und gelassen
Das Temperament der Kôrn ist so schwach ausgeprägt wie die südlichen Meere warm. Selbst übelste Beschimpfungen können einen Kôrn nur schwer dazu bringen, aus der Haut zu fahren. Durch die ausgeprägte Abneigung gegenüber (unnötiger) Gewalt und Kraftanstrengungen, Kampf und Krieg mögen sie manch einem stumpf und träge erscheinen.

Liebe, Ehe und Moral
Auch als Liebhaber sind Kôrn weder sonderlich gefragt noch berüchtigt, obwohl sie nicht direkt prüde handeln und auch in diesem Bereich durchaus lernen können und wollen. Gewissen ausgefalleneren sexuellen Praktiken gegenüber besteht allerdings abergläubische Ablehnung (Verdauungsäfte des Darmes leiten die Zersetzung des "besten Stücks" ein, mit seinem Samen lässt sich auch das Blut und der Wille eines Mannes aussaugen...).
Die Ausrichtung auf ein Geschlecht ist eine Sache, die jedem freisteht. Die Beurteilung folgt sowieso eher den Taten als dem Aussehen und der Herkunft, da die Familien nicht isoliert von anderen daheim ihr Dasein fristen und man in der Regel eng mit den Kollegen der selben Gilde aufwächst.
Ehen sind in erste Linie Wirtschaftsgemeinschaften: Man hat sich zu respektieren und zu unterstützen, da (fast) alle Besitztümer und eine Wohnung geteilt werden, aber nicht unbedingt zu lieben, zumindest sollte man sich um die Sicherung des Erbes für die Famile kümmern. Außereheliche Liebschaften oder Kinder sind recht häufig und gelten auch kaum als verwerflich, auch wenn außereheliche Kinder kein Anrecht auf das Erbe einer Familie anmelden dürfen. Eine Ehe mit Liebe ist trotzdem in gewisser Weise Wunschtraum zumindest der menschlichen Kinder und Jugendlichen. Zahlreiche (vor allem junge) Menschen sind romantisch oder sehen darin etwas erstrebenswertes.

Bei den Čén ist ohnehin nur einmal im Jahr Paarungszeit. Außerhalb dieser Zeit sind sämtliche geschlechtlichen Belange völlig ausgeblendet und spielen keine Rolle. Liebe empfinden sie fast ausschließlich für ihre Kinder. Zuneigung und Freundschaft hat bei den Čén niemals mit Attraktivität oder Sexualität zu tun, sondern mit der Persönlichkeit des Gegenübers. Die Fortpflanzung wird als eher lästig empfunden und vielen ist ihr Verhalten zur Paarungszeit fast peinlich. An die Stelle des Konzeptes der Familie treten bei den Čén noch stärker als bei den Menschen die einzelnen Gilden.

Frauen und Männer gelten als gleichwertig, auch wenn viele schwere Arbeiten den Männern und viele feinfingrige den Frauen vorbehalten sind. Fast nur weibliche Arbeitskräfte findet man im Weberei-, Wäscherei-, Schneiderei-, Heil-und Liebesgewerbe vor (der Reisende aus dem Ausland wird diesbezüglich weitaus besseres gewohnt sein). In anderen Berufen, wie als Schmuckschmiede, Schreiber oder Händler, sind sie auch oft anzutreffen. Die Erziehung der Kinder wird von den Eltern und den Gilden übernommen - einer der vielen Vorteile dieser Vereinigungen. Die Kôrn-čén üben selten Berufe aus, die feinmotorische Fertigkeiten erfordern. Sie dominieren dafür das Transportwesen.

Beharrlichkeit
Trotz ihres apokalyptischen Weltbildes machen die Kôrn beharrlich weiter mit dem Leben. Wie ein Pflänzchen, das sich mit aller Kraft selbst dem härtesten Wind widersetzt, so widersetzen sie sich auch dem beharrlichen Versuchen der absoluten Herrscher von Tlitlatli, sie zu erobern. Ihr Durchhaltewille ist enorm und kaum schwächer als bei den Nomaden der südlichen Steppen.
Einer Legende zufolge soll ein von Seeräubern ins eiskalte Wasser geworfener Kôrn, trotz verschwindend geringer Chance den am Horizont auftauchenden Schiffen der heimatlichen Kriegsflotte entgegen geschwommen sein. Er fand den Tod, ließ sich davon aber nicht beirren und führte selbst als Leiche noch Schwimmbewegungen aus.
(dr)

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