Startseite - Legenden
Murari und der Gestaltwandler

...und wieder einmal heckten die Götter einen Plan aus, wie sie Murari in seine Schranken weisen könnten. Sie taten sich zusammen und erschufen dem Murari einen Gegner, der ihn vernichten sollte. Erdvater Yombo gab von der Kraft und Stärke der Felsen, Ngangoloko hieß die feurigen Rafai, von der Wut und Schnelligkeit der Flammen zu geben und die Owaja gaben von der Geschmeidigkeit und Formbarkeit des Wassers. Dann gingen sie hin zu Issia, auf dass sie dem Werke der Götter Leben einhauche.

Issia sträubte sich zunächst, ihrem bei den anderen Göttern in Ungnade gefallenen froschgestaltigen Bruder zu schaden, doch dann sah sie, dass das Geschöpf der Götter erfüllt war von deren Sturheit, Eitelkeit und Überheblichkeit, und so verflogen ihre Sorgen um den Bruder, so dass sie dem Wesen das Leben schenkte und sie nannte es Mbunatwa, den der nichts und alles ist.

Mbunatwa war nun vom Leben erfüllt und konnte sich selbst jedes beliebige Aussehen verpassen, das ihm in den Sinn kam und er machte sich sogleich auf die Suche nach Murari. Als Adler flog er über die Baumwipfel, doch sah er nicht, was sich unter den Bäumen befand und er fand Murari nicht.
Als Gazelle durchstreifte er die Steppen und Wüsten, doch sah er nicht, was sich im Gras versteckte und er fand Murari nicht.
Als Fisch durchschwamm er einen Tümpel im Walde, und dort begegnete er endlich dem Murari.
Mbunatwa riss sein Maul auf, um furchterregend loszubrüllen, doch als Fisch blieb er stumm. Murari aber schwamm flugs ans rettende Ufer. Mbunatwa ließ sich Beine wachsen und sprang als Schwein dem Murari hinterher.
Da fragte Murari „Was mag das für ein merkwürdiges Tier sein, das als Fisch aus dem Wasser steigt und dann als Schwein auf vier Beinen umher springt?“
„Ich bin Mbunatwa, der Gestaltwandler“ entgegnete Mbunatwa. „Von den Göttern ausgesandt, dich zu vernichten!“
„Oh!“ sagte Murari da ängstlich. „Da muss ich mich wohl vor dir in Sicherheit bringen“, und hüpfte auf einen Baum.
Mbunatwa ließ seinen Körper anschwellen und seine Nase zu einem Rüssel wachsen, bis dass er aussah wie Vater Mzetimbu und mit dem Rüssel riss er den Baum mitsamt der Wurzel aus und schüttelte Murari aus den Zweigen.
„Du kannst mir nicht entkommen. Ich kann sein, was ich will und dir überallhin folgen. Und jetzt werde ich dich zerstampfen!“
Doch Murari war im hohen Gras verschwunden und in seiner riesigen Gestalt fand ihn Mbunatwa nicht und seine Füße stampften vergeblich im Gras umher.
„Wenn du mich finden willst, so musst du kleiner werden. Schließlich bin ich auch klein. Dann kannst du mich aufspüren“ riet ihm Murari.
Alsdann verlor Mbunatwa seine Beine, schrumpfte zusammen und sein Körper verschmolz mit dem Rüssel, bis dass er zu einer Schlange geworden war.
Doch Murari rief aus seinem Versteck „Das ist ja immer noch viel zu groß! Wenn du mich fnden willst, musst du noch kleiner werden.“
Und so schrumpfte Mbunatwa noch viel mehr, ihm wuchsen kleine Flügelchen und schließlich brummte er als Fliege über die Lichtung. Murari hüpfte herbei und nun sah ihn auch Mbunatwa, der sich sogleich auf ihn stürzte und schrie „Ha! Habe ich dich also endlich erwischt! Und nun werde ich dich vernichten!“
„Ich bin beeindruckt“ entgegnete Murari, öffnete sein Maul und verschluckte die Fliege.

Seither ist etwas von der wandelbaren Kraft des Mbunatwa in allen Fröschen und deshalb verbringen sie ihre Jugend als kleine Fische im Wasser, bis ihnen Beine wachsen und sie ihr Leben an Land fortsetzen.
(me)
Annor – Das Schwert von Esper | Impressum