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Naylar


Hörst du’s in den Blättern flüstern?
Stimmen, wohin du auch gehst.
Du hörst im Winde Worte wispern,
die du kennst, doch nicht verstehst.

Sie sprechen nur zu dir allein.
Woll’n sie dir raten? Woll’n sie scherzen?
Dein Kopf versteht nicht, was mag’s sein?
Doch begreifst du mit dem Herzen.

Der Sommer ist schon lange her,
der Herbst nun auch vergangen.
Und fällt der Schnee, weißt du nicht mehr,
was sie dir dereinst sangen.


Das Volk der Naylar lebt versteckt und zumeist unbemerkt im dichten Blattwerk der Bäume. Obwohl schon viele ihre wispernden Stimmen vernommen haben, die sich vom Rascheln des Windes gerade genug unterscheiden, so haben nur sehr wenige sie jemals zu Gesicht bekommen. Das Blattvolk ist nicht nur sehr scheu, sondern auch inmitten ihres Lebensraumes exzellent getarnt – nur mit großer Anstrengung mag man sie von den sie umgebenden Blättern unterscheiden. Dabei ähnelt der Körper stets genau den Blättern eben jenes Baumes, auf dem dieser Naylar lebt. Wer ganz genau hinsieht, wird bemerken, dass die blattförmigen Körper in Richtung „Blattstiel“ dicker und fleischiger sind als bei normalen Blättern der Fall. Auch wird der aufmerksame Beobachter sechs dünne Beinchen aus dem Blatt wachsen sehen und die winzig kleinen schwarzen Knopfaugen sowie die gefederten Fühler oder Ohren entdecken.

Der Lebenszyklus der Naylar beschränkt sich auf ein Jahr. Im Frühling schlüpfen sie regelrecht aus Blattkonspen, die im Herbst von der vorigen Generation befruchtet wurden. Während ihrer Entwicklung zapfen sie dabei die Baumsäfte ab. Wenn sie sich von ihrer Knospe gelöst haben und sich frei bewegen können, verbringen sie einen fröhlichen und unbeschwerten Sommer im Wipfel ihres Baumes. Nur die wenigsten verlassen im Laufe ihres Lebens jemals ihren Geburtsort. Sie ernähren sich von Insekten und sonstigem Getier, das in den Baumwipfeln lebt. Ganz besonders haben sie es auf Blattläuse abgesehen und leisten damit einen Beitrag zum Wohlergehen ihres Heimatbaumes. Ansonsten tollen sie durch die Blätterkrone und vertreiben sie sich die Zeit mit Schabernack und Liedern. Ständig scheinen sie sich zu unterhalten und über die neuesten Neuigkeiten in der Umgebung auszutauschen. Dabei werden Nachrichten von Baum zu Baum weitererzählt, so dass sämtliche Naylar stets wissen, was im Wald so los ist. Doch nicht nur den neuesten Tratsch aus dem Grün sollen die Naylar wissen. Obwohl sie nur einen Sommer lang leben, wird ihnen eine gewisse Weisheit, ein Gespür für die Wege des Schicksals und für die Gefühlslagen sämtlicher Wesen in ihrem Umfeld nachgesagt.
Die Botschaften im Gewisper der Naylar sind bei bewusstem Verstand nicht auszumachen. Wer ihre Stimmen hört, vermeint einzelne Wortfetzen herauszuhören und hat den Eindruck, ständig kurz davor zu sein, einen verständlichen Sinn im Blattgeflüster zu erkennen, doch bedarf es der unterbewussten Wahrnehmung, um sie wirklich zu verstehen.
Wer sich mit Sorgen und Fragen unter einen Baum der Naylar schlafen legt, wird in vielen Fällen mit einer Erkenntnis aufwachen oder im Traum zu einer Entscheidung gekommen sein. Was genau die Stimmen der Naylar nun gesagt haben, daran erinnert sich niemand, doch war ihr Rat wohl von großer Hilfe.

Fressfeinde haben die Naylar dank ihrer perfekten Tarnung fast keine. Lediglich die Raupen des Trugfalters haben es auf das Blattvolk abgesehen und vermögen die Naylar mit ihrem giftigen Speichel zu betäuben, während sie sie bei lebendigem Leibe verspeisen.

Im Herbst schwinden die Lebenskräfte der Naylar dahin und sie tun es den echten Blättern in ihrer Heimstatt nach. Ihre Körper trocknen aus, verfärben sich braun und der nächste kräftige Windstoß bläst sie vom Baum herunter, wo sie zusammen mit dem anderen Laub liegen bleiben und allmählich verrotten.
(me)

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