Glaube und Aberglaube
Wanderlied
Gestern früh traf ich ein Mädchen
sie war blass und ihr Haar war lang
sie trug einen roten Kittel,
es gefiel ihr mein Gesang
Mädel, komm und lauf mit mir
fort, quer durch das Land
"Nein, ich kann nicht, bleibe hier"
und sie entriss mir ihre Hand
Ich werd wohl niemals wieder sie seh'n
denn mein Leben ist das fahren
ich bin ein junger Eraiban
und reis' durch die Welt seit Jahren
Und viele Weiber seh' ich
fahren wir so durch Berg und Tal
nur wenige verschmäh ich
der Sonne sei's gedankt
hier und da 'ne kleine Wonne
der Sonne sei's gedankt
Die Ballade vom jungen Eraiban
Auf einem Hügel
stand ein junger Eraiban
mit langem lockigen Haar
Er wusch sein Hemd
in einer hölzernen Wanne,
der junge Eraiban,
sein Haar war golden
Die Augen wie das Sonnenlicht
das gelb der wilden Tiere
die Brust entblößt, das Haar gelöst
so stand er auf dem Hügel
Sonne in ihm
Sonne auf ihm
Sonne wohin ich nur seh
Nachtbannlied
Viele Stunden hab ich gelegen
habe gebangt
und mich gefürchtet
und nun scheint mir die Sonne entgegen
lacht mich an und macht mich froh
Hinfort mit der Nacht
Hinfort mit den Schrecken
kein Platz für das Dunkel
Der Tag ist jetzt da
Kein Platz für das Dunkel
Der Tag ist jetzt da
Licht in der Nacht
Wir Eraiban scheuen die Nacht
Wir fürchten uns wenn sie erwacht
Wir träumen vom Morgen
Die Nacht bringt nur Sorgen
Drum haben wir Lichter entfacht
Sonnenliebe
Das fahrende Volk, das zieht
in alle Gegenden die es gibt
sie lieben das Licht
das die Sonne verspricht
und Nachts hinter'n Horizont flieht
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Die Schlangenbrut
Dem Glauben der Eraiban zufolge ist die Welt ein Ei, das von der großen Schlange Faysac gelegt wurde, nachdem sie die
rote Schlange Meko und die weiße Schlange Avuns, ihre Stiefgeschwister, mit einer List getötet hatte. Seither suchen die
Geister der beiden Schlangen nach Rache und versuchen Faysac jede Nacht, das Ei zu entwenden. Dann muss Faysac ihr strahlendes
wärmendes Auge von der Welt abwenden und mit den beiden anderen Schlangen kämpfen. Während dieser Zeit ist die Welt in
Dunkelheit getaucht und man sieht die geisterhaften roten und weißen Augen der beiden anderen Schlangen am Himmel. Regelmäßig
besiegt Faysac die beiden anderen Schlangen, was man daran erkennt, dass deren Augen immer kleiner und schmaler werden.
Doch nach einer gewissen Zeit gewinnen die Schlangen erneut an Kraft und öffnen ihre Augen wieder.
Wenn es den Geistern Mekos und Avuns einmal gelingen wird, Faysac zu besiegen, wird die Welt auf ewig in Dunkelheit getaucht
sein und die Eraiban leben in ständiger Furcht davor, die letzte Nacht sei herangebrochen.
Angst vor der Finsternis
Die Eraiban verehren die Sonne als Auge Faysacs, als Botin der Wärme und des Lebens. Es gibt für einen Eraiban nichts
Schöneres als einen warmen Sommertag, und nichts Schlimmeres als den Einbruch der Dunkelheit.
Eraiban sind ausgesprochen abergläubisch und davon überzeugt, dass die Geister der Schlangen Meko und Avuns des nachts
schreckliche Kreaturen nach Esper schicken.
Dagegen wehren sie auf jede erdenkliche Weise die Dunkelheit an. Sobald es auch nur dämmert, sind ihre Lagerfeuer entzündet,
und es erschallen laute Gesänge gegen die Finsternis: Schutzgesänge, an denen sich alle Anwesenden beteiligen, die sprechen
können.
Wer einmal den Eraiban gelauscht hat, wird bemerkten, dass sie einen ohrenbetäubenden Radau machen. Nicht nur singen sie
nahezu den ganzen Tag, sie begleiten ihre Gesänge auch mit lauten Instrumenten wie Holzklappern, Schnarren und Trommeln.
Sie sind davon überzeugt, der feindlichen stillen Nacht mit voller Lautstärke begegnen zu müssen. Deshalb sind sie in der Nähe
von anderen Völkern auch nicht besonders gern gesehen bzw. gehört...
Namen
Jeder Eraiban hat drei persönliche Namen und eine Herdennamen, welcher die Gruppe anzeigt, zu der er gehört. Die persönlichen
Namen lassen sich mit Begriffen wie Sonne, Tal, Feld, Schönheit, Vogel, Herz, Helligkeit, Licht, Traum und Tag übersetzen.
Die persönlichen Namen haben eine große Bedeutung bei den Eraiban, und werden in einer großen Zeremonie einen Tag nach der
Geburt verkündet. Es gibt keine bestimmten Geschlechtern zugeordneten Namen.
Wenn sich ein Eraiban einmal einsam und ängstlich in der Nacht wiederfindet, so soll er seinen Namen aussprechen, um die
Gefahren der Nacht zu bannen. Der Name schützt angeblich auch vor bösen Träumen. An jeder Schlafstelle stehen die Namen über
dem Kopfende geschrieben, sei es ins Holz des Bettes geritzt oder einfach nur in den Sand geschrieben. Das ist Jedermanns
persönlicher Talisman.
Wenn man sich vermählt, schenkt man dem Partner eine kleine Sonne (aus Holz, Ton, Stein) in die die eigenen Namen geritzt
sind.
Verstößt jemand gegen die Regeln der Gesellschaft, so dass er ausgestoßen werden muss (passiert selten), nimmt man ihm alle
drei Namen. Namenslos zu sein, ist das Schlimmste, was einem Eraiban passieren kann, denn dann hat er nichts mehr, um sich
vor der Nacht zu schützen.
| Namen der Eraiban |
Avea (Traum), Ayenu (Schönheit), Bavae (Tal), Darwo (Schlaf), Evym (Licht), Faysac/Fayasac (Schlange),
Kosys (Herz), Olwa (Feld), Taly (Sonne), Udes (Tag), Waned (Vogel), Yenwac (Helligkeit), Yalim (Flug)
Herdennamen
Amery, Avud, Boldac, Cey, Chev, Crylys, Danystal, Kerw, Koyjan, Lunysah, Malyc, Oevan, Oulan, Ralys, Tehm |
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